Schulprogrammentwicklung

"Auf der Grundlage eines abgestimmten Leitbildes verständigen sich Schulleitung und Lehrkräfte mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und anderen Beteiligten auf pädagogische Grundsätze. Daraus ableitend formuliert die Schule ihre Entwicklungsziele und -schwerpunkte. Um diese zu realisieren, werden geeignete Maßnahmen und Aktivitäten vereinbart."
(Orientierungsrahmen Schulqualität, S. 24)

Auch der § 32, Abs. 2 des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG) verpflichtet die Schulen, sich ein Schulprogramm zu geben. Hierin legt die Schule "in Grundsätzen fest, wie sie den Bildungsauftrag erfüllt. Das Schulprogramm muss darüber Auskunft geben, welches Leitbild und welche Entwicklungsziele die pädagogische Arbeit und die sonstigen Tätigkeiten der Schulen bestimmen" (NSchG, § 32, Abs. 2, Sätze 2 und 3).

Das Schulprogramm kann somit als das schriftlich fixierte Handlungskonzept der Schule verstanden werden. Es beschreibt auf der Grundlage der staatlichen Rahmenvorgaben (Schulgesetz, Grundsatzerlass, Rahmenrichtlinien u. a.)

  • die Situation der Schule
  • das pädagogische Grundverständnis des Kollegiums (Leitbild)
  • die pädagogischen Ziele und die inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Schwerpunkte der Unterrichts- und Erziehungsarbeit sowie die angestrebten Kooperations- und Partizipationsstrukturen - und gibt an,
  • wie diese realisiert (Arbeitsprogramm / Maßnahmeplanung [inkl. Zeitplan])
  • und überprüft (Evaluation) werden sollen.

 

Wie erstellen wir unser Schulprogramm?

Die Erstellung des Schulprogramms erfolgt idealerweise in den in der Grafik dargestellten acht Schritten.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schritt 1: Bildung einer Arbeits-/Projektgruppe 

Dieter Galas schreibt im neuen Kommentar zum Niedersächsischen Schulgesetz:

"Das Schulprogramm wird von der Gesamtkonferenz auf Vorschlag des Schulvorstandes beschlossen [...]; sie wird dabei auf einen breiten Konsens Wert legen. Zur Erarbeitung des Schulprogramms wird der Schulvorstand sich mit der Gesamtkonferenz über die Einsetzung einer Steuerungsgruppe verständigen und dieser ausreichend Zeit zur Erstellung eines Entwurfs einräumen." (Bräth / Eikmann / Galas: Niedersächsisches Schulgesetz. 5. völlig überarbeitete Auflage, Köln 2007, S. 151) 

Natürlich lässt sich trefflich darüber streiten, ob für die Entwicklung des Schulprogramms eine Steuerungsgruppe notwendig ist (vgl. zu den eigentlichen Aufgaben der Steuerungsgruppe den Aufsatz von Markus Humpert "Klären und Unterstützen: die Aufgaben einer Steuergruppe").

Gleichwohl sollte eine Arbeits- bzw. Projektgruppe offiziell mit der Entwicklung des Schulprogramms betraut werden.

In kleinen und mittleren Schulen können alternativ Workshops zur Schulprogrammentwicklung eine sinnvolle Alternative darstellen.

Die AKADEMIE Schule & Wirtschaft unterstützt Sie gerne bei der Durchführung solcher Schulprogrammentwicklungstage. Sprechen Sie Ihren Ansprechpartner vor Ort an!

  

Schritt 2: IST-Analyse

Bei der IST-Analyse gilt es, folgende Schritte im Blick zu haben:

  • Portfolio jeder Lehrkraft anlegen (Kenntnisse, Erfahrungen, Fähigkeiten, Qualifizierungswünsche, besuchte Fortbildungen)
  • Verfahren: Kartenabfrage, Fragebogen o.ä.
  • Auswertung:   
    1. vorhandene und gewünschte Kompetenzen getrennt voneinander erfassen    2. Ergebnisse aggregieren   
    3. Ergebnisse auf Wunsch anonymisieren

 

Schritt 3: Leitbild entwickeln

Das Leitbild beschreibt das professionelle pädagogische Selbstverständnis und die Grundsätze für das unterrichtliche und erzieherische Handeln. In dieser Phase gilt es, sich in einem konsensualen Prozess mit allen an Schule beteiligten Akteuren auf die wesentlichen Leitsätze Ihrer Schule zu verständigen.

 

Schritt 4: Ziele festlegen

Bei der Zieldefinition ist es hilfreich, dass Sie sich auf wenige Entwicklungsziele und -schwerpunkte konzentrieren. Mögliche Bereiche, für die Schulentwicklungsziele formuliert werden können, sind:

  • Unterrichtsentwicklung
  • Erziehungsarbeit
  • Schulleben
  • Personalentwicklung (inkl. Fortbildungskonzept)
  • Schulentwicklung allgemein

Denken Sie bei der Zielformulierung unbedingt daran, dass Ihre Ziele "smart" formuliert, dass also Ihre Festlegungen hinreichend spezifisch, messbar, anspruchsvoll, realistisch und terminiert sind.

 

Schritt 5: Maßnahmen planen

Welche Maßnahmen müssen nun ergriffen werden, um die festgelegten Entwicklungsziele bestmöglich erreichen zu können? WIE kommen Sie zu Ihren Zielen?

Hierzu ein methodischer Hinweis

  1. Präzisieren Sie die Aufgabenstellung
    (z.B.: Ziel, für das Maßnahmen zu entwickeln sind:
    „Das eigenverantwortliche Arbeiten und Lernen unserer Schülerinnen und Schüler wird mit Beginn des Schuljahres 2008 / 2009 im Unterricht systematisch gefördert."
    Präzisierung der Aufgabenstellung:
    „Welche Handlungen und organisatorischen Maßnahmen müssen wir im nächsten Schuljahr setzen, um das eigenverantwortliche Arbeiten und Lernen unserer Schülerinnen und Schüler im Unterricht systematisch fördern zu können?"
  2. Führen Sie ein individuelles Brainstorming durch
  3. Sammeln und klären Sie die Antworten
  4. Priorisieren Sie die fünf wichtigsten Umsetzungsvorschläge 
  5. Ermitteln Sie ein Gruppenergebnis und transportieren Sie dieses Ergebnis in die Schulgemeinschaft

 

Schritt 6: Textfassung erstellen

Sobald Sie alle inhaltlich relevanten Daten für Ihr Schulprogramm erarbeitet und zusammengetragen haben, geht es im nächsten Schritt um die Erstellung einer adäquaten Textfassung. Hierbei sind unter anderem folgende Punkte zu bedenken:

  • In welcher Form soll das Schulprogramm veröffentlicht werden?
  • Sofern es gedruckt werden sollte:
    Wer kümmert sich um das Layout?
    Welches Budget steht zur Verfügung?
    Welche Auflagenhöhe ist geplant?
  • Sollte es eine Kurzfassung (z.B. zur Veröffentlichung auf der schuleigenen Homepage) geben?

 

Schritt 7: Praxiserprobung

Das schönste Schulprogramm ist wenig wirksam, wenn es nicht auch tatsächlich in der Praxis Anwendung findet. Daher sollten Sie sich bereits in der Phase der Schulprogrammentwicklung damit beschäftigen, wie es gelingen kann, das Schulprogramm aktiv zu "leben". 

  • Welche Mechanismen, Strukturen, Instrumente, etc. setzen Sie ein, damit Ihr Schulprogramm gelebt wird?

 

Schritt 8: Evaluation und Fortschreibung

Ein "gutes Schulprogramm" wird regelmäßig evaluiert und fortgeschrieben. Machen Sie sich daher frühzeitig Gedanken darüber, welche Evaluationsinstrumente Sie einsetzen möchten, um überprüfen zu können, ob und in welchem Maße Ihr Schulprogramm gelebt wird. Mehr zum Thema Evaluation finden Sie im übrigen im folgenden Qualitätsmerkmal.

Fachbereichsleiter Schulentwicklung und Schulmanagement

Markus Humpert
Tel. 0511 - 9 61 67 56